Donnerstag, 25. Juni 2015

[Kurzmeinung] "Mein Bild sagt mehr als deine Worte" von David Levithan

Auch als eBook erhältlich

Evan ist allein. Seine beste Freundin Ariel ist nicht mehr da und Evan fühlt sich schuldig. Eines Tages konfrontiert ihn jemand mit anonymen Fotos – Bilder, die dokumentieren, was er ihr angetan hat. Steht Evan kurz davor, den Verstand zu verlieren oder kann er endlich aufklären, was damals im Wald wirklich geschah? Im engen Zusammenspiel mit Fotos von Jonathan Farmer erzählt David Levithan die Dreiecksgeschichte zwischen Evan, der manisch-depressiven Ariel und ihrem Freund Jack. Eine packende Geschichte über Freundschaft, Liebe und Verantwortung.


Wie immer bei dem Autor bin ich an dieses Buch weniger mit einer Erwartung als mit einer Grundhaltung rangegangen. Und zwar: Gespannt, ob und womit er den Leser nun wieder überrascht.
Die Art, wie das Buch entstanden ist, fand ich schon einmal sehr interessant. Diese erklärt David Levithan im Nachwort. Im Groben hat er mit dem Fotografen Jonathan Farmer zusammen gearbeitet, sich von diesem Fotos geben lassen und hat zu jeweils einem Bild seine Geschichte fortgesetzt, bevor er das nächste bekam. Jonathan Farmer hingegen wusste nichts über den Inhalt der Geschichte, konnte also auch die Bilder nicht gezielt aussuchen. Gerade dafür war die erzählte Geschichte überraschend rund.
Doch der Autor überrascht nicht nur mit der Entstehungsweise sondern auch (mal wieder) mit der Art des Erzählens. Ich kam mir durchgehend vor. als säße ich in Evans Kopf oder zumindest auf seiner Schulter und würde dem "Ping Pong" seiner Gedanken zusehen. Denn diese sind wie im "wahren Leben" recht sprunghaft und halten nur selten an einem Strang fest. Das ist für mich auch genau richtig so gewesen, denn wer kennt es nicht, dass sich die Gedanken im Kopf drehen und man die merkwürdigsten Verbindungen und Gedankensprünge herstellt?
Das Buch war sehr kurzweilig und ich konnte Evans Gedanken gut mitverfolgen. Die meiste Zeit hatte ich eine Vermutung, wie sich alles auflösen wird. Bzw. hatte ich mehrere Vermutungen oder noch besser: eine Vermutung, die sich im Verlauf des Lesens immer mehr (Ab)wandelte.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. 2 kleine und einen etwas größeren Kritikpunkt gibt es aber dennoch. Der entscheidenste war für mich das Ende. Es war mir zu kurz, zu unspektakulär und ich hatte irgendwie das Gefühl, es würde etwas fehlen. Da hatte ich mir irgendwie noch einen Clou erwartet. 
Zu den beiden kleineren Kritikpunkten: Die Fotos waren durch den Schwarz-Weiß-Druck teilweise nur schlecht zu erkennen. Zum Beispiel musste ich mehrmals blättern und nachschauen, bis ich endlich mal verstanden hatte, was mit "diesen Haaren" gemeint war (ein Iro, den ich auf den Fotos nur mit viel Fantasie erkennen konnte). Das war aber vielleicht auch Absicht oder liegt einfach an meinen Augen. Das zweite kleine Problem waren für mich die (teilweise seitenlangen) durchgestrichenen Sätze. Ich habe zwar den Sinn dahinter verstanden und finde es auch grundsätzlich gut, allerdings ist es dann doch etwas anstrengend, wenn man zum Teil ganze Kapitel mit dieser Formatierung lesen "muss". 
Unterm Strich wurde ich von dem Autor aber (wieder einmal) nicht enttäuscht und werde mich weiterhin nach seinen Werken umsehen.
4/5

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